Friedhofsaktion April 2026

Am Silberbacher Friedhof

Bericht von Benjamin Hochmuth (Karlwenz)
Fotos von Denise Noyer-Illner


Der Winter 2025/26 war ein Harter mit eisiger Kälte und viel Schnee und die Chancen standen sehr gering, dass wir gerade in diesem Jahr Anfang April von
Schnee und Frost verschont blieben. Doch als hätten der liebe Gott und unsere Vorfahren ein Nachsehen mit uns gehabt, legte der Winter gerade in dieser besonderen
Woche eine kurze Pause ein. Nach einer sehr erfolgreichen Woche im letzten Juli hatte unsere liebe Denise die Frohbotschaft verkündet, dass sie mit ihrem Cousin Manuel und
ihrem Mann Patrick wieder ein paar Tage unser schönes Silberbach besuchen wolle, um einige historische Gräber aufzurichten und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Ich hatte eine helle Freude und wollte diesmal nicht nur in der Mittagspause und nach Feierabend unterstützend mitwirken, sondern zumindest einen kompletten Tag mit dem fleißigen
Trio mitwerkeln - und in diesem Jahr hat es tatsächlich geklappt. Und mit vereinten Kräften konnten wir wieder eine stattliche Zahl von Gräbern aufrichten, von denen ich einige in diesem Bericht einzeln aufführen möchte:

Gräber 1 und 2 - Paula Fischer und Josef Pöschmann


Die beiden Gräber wurden von Denise, Patrick und Manuel zuerst gemacht. Sie stehen ganz am Anfang des Friedhofes und man erkennt sie sofort, wenn man den Friedhof
betritt und rechts nach oben sieht.

Impressionen von den Arbeiten - Graben, Sockel betonieren, Aufrichten

Zu den Verstorbenen:

Grab Nr. 1 - Paula Fischer, geborene Böhm


Paula Fischer, geb. Böhm - gestorben am 23. September 1913 im 22. Lebensjahre (an Lungen-Tuberkulose)
Inschrift auf dem Grab: Geduldig trug sie alle Leiden, Die sie von Gott zur Bürd' bekam, Ja duldig war sie noch im Scheiden, Als ihr der Tod die Last abnahm.
Geboren am 23.04.1892 in Silberbach 89 (Ortsteil: Berg) war sie die Tochter des Franz Böhm und der Maria, geb. Narr
Sie war später in Silberbach 67 (ebenfalls im Ortsteil: Berg) wohnhaft.

Sie heiratete am 16.09.1913 noch am Sterbebette Franz Erdmann Fischer, gebürtig aus Sonnenberg bei Komotau (19.11.1885) - er war der Sohn von Franz Fischer, Hauswirt aus
Sonnenberg 67 und der Anna, geb. Weber aus Deutsch Kralupp 51.

Grab Nr. 2- Josef Pöschmann
Josef Pöschmann- gestorben am 18.04.1934, zuletzt wohnhaft in Silberbach 622 im Ortsteil Hof

 

Grab Nr. 3 Emilie Weidlich, geborene Lorenz

Ein weiteres, besonderes Grab, das verborgen auf dem Friedhof lag, war das von Marie Weidlich, geborene Lorenz.
Nachdem der Grabstein umgedreht wurde, sah man, dass die Namensplatte noch vollkommen erhalten war.
Diese ist auf einer aus Sandstein kunstvoll gehauenen Schriftrolle gebettet.

Nach genauerer Untersuchung des Platzes konnten wir auch noch das Kreuz finden, das einige Bruchstellen hatte, doch dies hielt uns nicht auf,
das Kreuz mit dem schön verzierten Anker wurde geflickt und wieder auf dem Grabstein angebracht.

Zur Verstorbenen:
Emilie Weidlich,
geborene Lorenz - geboren am 01.05.1847 in Silberbach 86, gestorben am 10.11.1935
Tochter des Franz Anton Lorenz, Hauswirt und Kottondrucker aus Silberbach 86 und der Theresia, geborene Bittner
Spruch auf dem Grab: Friede ihrer Asche
Heirat am 16.11.1869 in Silberbach mit Gabriel Weidlich, Tischlermeister aus Silberbach 60 (* 03.02.1840), gestorben am 18.04.1902 in Silberbach 86 an Magenkrebs
Sohn des Josef Anton Weidlich und der Fischer Barbara Juliana

Impressionen von den Arbeiten

 

 

Grab Nr. 4 - Anna Pruy

Dieses Grab war ein Phänomen. Der überaus schwere Grabstein und das Kreuz fanden sich auf dem Hügel oberhalb der eigentlichen Grabstelle verstreut und auf dem "Bauch" liegend, während die Einfassung im unteren Bereich direkt auf dem Hauptweg vereinsamt davor lag. Wie der Grabstein und das Kreuz auf den Hügel gekommen seien sollen, kann man sich nur
schwer vorstellen.

Die erste Arbeit bestand zunächst einmal darin, die seit Jahrzehnten zugewachsene Einfassung wieder freizugraben und die Säulen wieder gerade zu richten, um das Grab wieder
ansehnlich werden zu lassen. Danach rätselten wir, wie wir den - gefühlt tonnenschweren - Stein wieder nach unten befördern könnten, ohne, dass dieser sich von selbst lossetzt
und den Hügel herunterrollt. Hier war Feinarbeit angesagt und Geduld. Doch wir schafften es mit viel Kraft und Spucke, den Stein wieder an seinen ursprünglichen Platz zu befördern und
das Kreuz darauf zu setzen.

Das Kreuz lag weit oberhalb auf einer völlig anderen aufgelassenen Grabstelle (Langhammer) - Denise fand es schon immer sehr schön und den Spruch "Die Liebe höret nimmer auf" aus dem Hohelied der Liebe (13. Kapitel des 1. Korintherbriefes) bewegend. Sie hatte deshalb extra die Grabstelle gepachtet.

Es ist nun schön,, dass es wieder auf seinem rechtmäßigen Platz ruht und für die Besucher des Friedhofes wieder einen schönen Anblick darstellt.

Hinweis: Die Grabstelle von Anna Pruy sucht noch einen Paten/Pächter. Bei Interesse bitte melden.


Zur Verstorbenen:
Anna Pruy,
geborene Steiner, geboren am 28.01.1847 in Sorghof (bei Tachau), gestorben am 24.11.1899 an einem Herzfehler
Tochter des Franz Steiners, Müllers aus Sorghof und der Barbara, geborene Träger aus Albersdorf im Bezirk Tachau.

Gattin des Oberlehrers Michael Pruy aus Sebastiansberg bei Komotau - Heirat am 27.11.1870, zuletzt wohnhaft in Silberbach 230.
Spruch auf dem Grabstein: Auf Wiedersehen, gute Mutter, treue Gattin!
Spruch auf dem Kreuz: Die Liebe höret nimmer auf!

Impressionen von den Arbeiten

 

 

Grab Nr. 5 - Josef Ignatz Lausmann


Auch bei diesem Grab hat die Truppe ganze Arbeit geleistet. Leider konnten wir keine Grabtafel mehr finden, konnten aber durch die alten Friedhofspläne
herausbekommen, dass wir wieder ein Lausmann Grab gefunden hatten. Es ist geplant, in naher Zukunft eine wetterfeste Tafel mit dem Namen, Geburts- und Sterbedatum

anzubringen.

Zum Verstorbenen:
Josef Ignatz Lausmann,
geboren am 28.08.1846 in Silberbach 139 - gestorben am 28.03.1901 in Silberbach 333
Sohn des Johann Lausmann, Taglöhners aus Silberbach 139 und der Theresia, geb. Wohlrab aus Eibenberg 42
Heirat am 31.01.1882 mit Franziska, geb. Weidlich aus Silberbach 157
Zuletzt wohnhaft in Silberbach Nr. 333

Impressionen von den Arbeiten

Doch diese Gräber waren nur ein paar genannte und mit Fotos dokumentierte Arbeiten. Denise und ihre Truppe haben nebenbei auch viele heruntergefallene Grabinschriften
wieder mit Silikon geflickt und an die rechtmäßige Grabstelle platziert.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen - vielen lieben Dank, liebe Denise für Dein unerschöpfliches Engagement in der Rettung vieler, vieler historischer Gräber auf dem Silberbacher Friedhof. Ganz lieben Dank an unseren Grab-Restaurierungs-Experten Manuel, der schon an mehreren Friedhöfen tätig war und dessen umfangreiches Fachwissen so notwendig für diesen Einsatz war. Auch vielen lieben Dank an Patrick Noyer, den Ehemann von Denise, der immer wieder mit vollem Elan, voller Muskelkraft und guten Tipps und Ratschlägen anpackt.

Dank gebührt ebenfalls der Gemeinde Silberbach für die Bereitstellung eines Stromerzeugers und der Möglichkeit, unsere Gerätschaften und Werkzeuge für diese Woche im ehemaligen
Leichenhaus zu lagern.

Ich bin gespannt, ob wir in diesem Jahr eine weitere Aktion hinbekommen, aber auch wenn es nicht klappen sollte, so ist wieder viel passiert und die Besucher dürfen sich an den vielen
historischen Grabstellen erfreuen, die so notwendig zur Aufarbeitung der Geschichte und dem Denkmal an unsere Vorfahren darstellen.

Falls jemand ebenfalls Interesse an der Pacht einer Grabstelle hat, stehe ich gerne weiterhin beratend zur Seite.

Voller Hoffnung und Freude über all die Dinge, die in unserem wunderschönen Ort passieren, grüße ich Euch herzlich aus Silberbach

Euer Karlwenz-Benny (Benjamin Hochmuth, Silberbach Nr. 221 - ehemals 106 - Am Hof)